Start meiner Südamerika-Reise in MEXIKO (Oktober 2013)

 

So, jetzt sitz ich da. In einer 10 Millionen Stadt mit kleinen aber lauten Einwohnern, und mit einer noch lauteren typischen südamerikanischen Musik: Der Reggaeton. Die Einwohner sind hier sehr stolz auf diese Musik und wehe einem wenn man auf die ständige Frage, ob einem die Musik gefalle, folgendes antwortet: „Nein.“

Dann nimm deine Füße in die Hand und laufe schnell davon. Na gut, ich gebe zu, das entsprang jetzt meiner Fantasie. Was ich damit sagen möchte: Man muss sich erst auf Südamerika ‚eingrooven‘, um das Leben hier auch richtig genießen zu können. Aber warum schreibe ich eigentlich gerade über Lima, wo ich jetzt studiere, und nicht über den Kajaktrip der letzten 5 Monate?

Und warum schreibe ich erst jetzt, wo ich doch schon 2 Wochen in Lima bin?

 

Das sind Fragen, die ich ganz leicht beantworten kann: Ich weiß einfach nicht, wo ich mit meinem Erzählungen anfangen soll, geschweige denn enden. In 5 Monaten passiert einfach so unglaublich viel, wenn man auf Reisen ist.

 

Dann beginne ich eben wirklich ganz von vorne. Lieber Leser, freue dich auf eine lustige und spannende Reise in meine Vergangenheit. (Das klingt ein bisschen sehr theatralisch, ich weiß. Aber der Satz gefällt mir einfach.)

 

Alles begann im Jahre 2013 (also schon ewig her). Ich hatte das große Glück den Studienplatz in Peru zu ergattern (aufgrund meiner fantastischen Noten) und wollte, professionell wie ich bin, mein Spanisch im Vorhinein für das Studium verbessern. Ich musste also für ein halbes Jahr nach Südamerika, das war mir dann ziemlich schnell klar. So ein Pech!

Wie Gott es wollte hat sich dann ziemlich rasch ein nettes Reisegrüppchen gebildet: Matthias Stöckl (oder auch nur Stöckl), Philipp Much (oder einfach Flipper) und ich (oder einfach Chelga, wie ich hier in Südamerika heiße. Oder Erika. Aber nicht Helga.)

 

Im Oktober 2013 sitzen Flipper und ich schließlich im Flieger auf dem Weg nach Mexiko. Die Boote dürfen auch mit und in Mexiko City angekommen geht es erst mal mit dem Bus weiter. Wir kommen mitten in der Nacht in der Stadt Puebla an und suchen einen Anschlussbus. Gibt es nicht. Fährt erst morgen.

OK, dann müssen wir eben ein Taxi nehmen. Wir werfen alle Reisewarnungen bezüglich der Taxis über Bord, steigen in ein Taxi ein welches man eben nicht nehmen sollte und starten los. Das Reiseglück ist wieder auf unserer Seite und nach 4 Stunden Fahrt kommen wir ziemlich gerädert an unserem Zielort an:

Das Kajak-/ Raftcamp Tlapacoyan. Es ist immer noch Nacht und wir freuen uns einfach auf ein bisschen Schlaf. Da stören nicht einmal die tausend Mücken. Schlafen ist schön.

 

Morgendämmerung im Aventurec

 

Jetzt sind wir also angeblich in einem Kajakparadies angekommen. Der erste Tag in diesem angeblichen Kajakparadies startet mit einem Frühstücksbuffet und wir lernen einen Iren kennen, Phil, welcher 2 Monate in Mexiko verbringt. Motiviert aber erschöpft gehen Bootfahren auf die berühmte Roadside-section am Alseseca. Wir stellen fest, dass wir ganz schön viel Wasser haben und nicht alle Stellen befahren können, dafür machen die anderen Stellen umso mehr Spaß.

 

Dann werde ich leider krank und hänge einfach ein paar Tage im Camp rum. Das ist aber nicht so schlimm, man kann es dort nämlich ziemlich gut aushalten. Es gibt einen Pool mit perfekter Wassertemperatur, die Aussicht auf die riesigen Bananenplantagen ist wunderschön, die Familie, welches das Camp betreibt und die Angestellten sind alle sehr freundlich und die vielen Tiere sind unterhaltsam.

In der ersten Woche fühle ich mich ein bisschen wie die Cow, die dort lebt. Es ist zwar keine Kuh, hat aber etwa die Größe von einem Kalb. Aber eher in der Breite. Und sie macht genau das, was ich in den ersten Tagen auch tue: Sie schläft. Zwischendurch dreht sie eine kleine Runde, so 10 Schritte etwa, und schläft weiter. Und das macht sie ungelogen jeden Tag. Dabei ist sie auch sehr zufrieden.

 

Ich schweife ab, ich sollte hier doch über das Kajak fahren schreiben. Zu schnell gewöhnt man sich an den südamerikanischen Rhythmus und lässt sich einfach für alles ein bisschen mehr Zeit. Meiner Meinung nach ein bisschen zu viel mehr Zeit. Vielleicht atmen die auch langsamer. Eine Frage, deren Antwort ich wohl erst im nächsten Mexikoaufenthalt herausfinden werde. An das habe ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gedacht. Wie gesagt, hier hat man einfach mehr Zeit. Auch, um sinnlose Gedanken fertig zu spinnen und sie sogar niederzuschreiben. Es tut mir Leid. Zurück zum Thema.

 

Effizienz ist hier ein Fremdwort. Wenn man einen Ort sucht, an dem man mal nicht effizient und durchgeplant sein muss, dann ist man hier in Mexiko goldrichtig. (Auch wenn Mexiko geografisch gesehen gar nicht in Südamerika liegt, die Mentalität ähnelt denen der Südamerikaner sehr.)

Hoher Wasserfall an der Roadside-Section vom AlsesecaRoadside-Section, Rutschenwasserfall

In dem Camp wird einem einfach alles abgenommen. Das einzige Mal am Tag, wo man sich ein bisschen zusammenreißen und entscheiden muss, ist nach dem Frühstücksbuffet. „Hm, welche Flussperle wollen wir denn heute paddeln?“ Folgende Auswahl steht im Umkreis zur Verfügung: : Alseseca, Filobobos, Jalicingo, Park and Huck am San Pedro Wasserfall, die Tomata Wasserfälle, usw. usf.

Diese tägliche Entscheidung ist tatsächlich nicht so einfach, denn die einzelnen sections werden nie langweilig und man kann sie immer und immer wieder befahren.

 

Ein paar Klassiker wie den Meatlocker oder den Silencio Wasserfall am Alseseca und die Tomata-Fälle können wir während unserem Aufenthalt leider nicht abhaken, da wir extrem viel Wasser haben. Die Monsunregen sind außergewöhnlich stark und oft in diesem Jahr und so fallen die Pegel über Monate nicht. Tja, dann muss man halt nochmal hin. Ein Wink mit dem großen Zaunpfahl sozusagen.

 

Trotzdem ist in den 2,5 Wochen von unserem Aufenthalt ziemlich viel passiert. Jeder ist mal geschwommen und hat sich über den Wurfsack gefreut. Einige sagen jetzt vielleicht, warum sind alle geschwommen, war es wohl zu schwer. Oder wir zu schlecht, wie man es halt sieht. Aber genau das macht Mexiko für mich ganz besonders. Das Wildwasser ist dort dermaßen fair, dass man wirklich Sachen ausprobieren kann, wie es daheim nicht möglich ist. Es ist ein reines Drop & Pool Paradies.

Das Material kann meistens sehr einfach eingesammelt werden und die Sicherungen sind meistens auch sehr leicht aufzubauen. Das meiste kann man auch umtragen und wenn man mal nicht umtragen kann: Ist eh ein großer Pool zum Schwimmen da!

 

2,5 Wochen sind für Mexiko definitiv zu kurz, wenn man wirklich alle Klassiker abhaken möchte, außer man hat Glück und findet perfekte Wasserstände vor.

Jeder, der auf ‚Fastfood‘-Bootfahren steht, hat in Mexiko im Kajakcamp Aventurec eine Traumdestination gefunden.

kein Schwein gehabt!Unglaubliche Landschaft am Weg zum Filobobos

Unser Tagesablauf sieht nämlich in etwa so aus:
Aufstehen, ab zum Frühstückbuffet, die frisch gepflückten Früchte aus dem eigenen Campgarten naschen (gibt natürlich auch Rührei usw. für die echten Männer), dem Shuttlefahrer sagen wo man hin möchte, in die uralten lässigen Autos steigen, schön Stürzen gehen, am Ausstieg vom Shuttlefahrer abgeholt werden, kühle und günstige Bierchen zischen, zurück ins Camp, vielleicht dazwischen stehen bleiben und Taccos essen, schließlich in den Pool springen, Bierchen und Cocktails bestellen, auf das Abendbuffet warten, wieder essen, Lagerfeuergeschichten (oder in dem Fall Poolgeschichten) austauschen und irgendwann schlafen. Now repeat.

Hat man Lust auf ein bisschen Nachtleben, kann man einfach in die nächste Stadt Tlapacoyan fahren. Da empfiehlt es sich einen Local dabei zu haben, der die Bars kennt. Sonst landet man doch einfach in einem Rotlichtladen. Wir hatten keinen Local dabei.

Camp AlltagFlipper, the Cow, Stöckl

An den berühmten Agua Azul weiter im Süden von Mexiko schaffen wir es zeitlich nicht. Aber so türkis wie auf den Fotos war er eh nicht. Eher braun und schlammig durch das Hochwasser. Wir haben also nichts verpasst.

 

Es empfiehlt sich kein Auto zu mieten, da im Camp sowieso Mexiko-taugliche Autos da sind und die Shuttlefahrer wissen, wo sich die Ein- und Ausstiege befinden. Der Verkehr ist anfangs auch, nennen wir es, gewöhnungsbedürftig. Und die Straßen mit ihren unzähligen Speedbumps an den unmöglichsten Stellen erfordern auch eine gewissen Voraussicht, die man erst entwickeln muss. Möchte man doch mal weiter weg fahren, in den Süden zum Beispiel, kann man sich auch direkt im Camp ein Auto leihen.

 

Nach 2.5 Wochen fahren wir wieder zurück nach Mexico City und gehen dort noch einmal aus. Eine lustige Hausparty bei witzigen Künstlern bildet den krönenden Abschluss unseres Aufenthalts.
Wir haben die Zeit in Mexiko sehr genossen und freuen uns trotzdem wieder auf einen typischen Kajakroadtrip. Wo logistische Probleme zum Alltag gehören und man insgesamt viel mehr denken und berücksichtigen muss als in Mexiko.

 

So sitzen wir mit unseren Booten Ende Oktober im Flieger Richtung Bogotá, die Hauptstadt Kolumbiens.

 

Und wie in Kolumbien dann doch alles anders kam als gedacht, darin geht es im nächsten Teil!

Jetzt werde ich mich erst mal in das Nachtleben von Lima stürzen und Inspiration für den nächsten Bericht suchen.

Hasta la vista, amigos 😉

 

 

 

 

(Eine nützliche Schlussinfo noch: Für die knapp 3 Wochen in Mexiko haben wir pro Nase ca. € 900 gebraucht, haben aber gelebt wie die Könige. Exklusive Flug.)Entspannen im Camp Aventurec Poolside-section  Wir haben sehr viel Wasser :) Roadside-Section Ein bisschen Carnage   Stöckl am Filobobos Filobobos   Einstieg Big Banana Einstieg Big Banana - so ein schöner Platz! Big Banana bei schönem Pegel Zwangspassage! Wunderschöner Wasserfall auf der Big Banana Section Scouten vom Silencio - zu viel Wasser! Lieber einmal öfters die Klamotten ausbeuteln! Gefunden in meiner Paddeljacke Big Banana Big Banana Tlapacoyan Alltag in Mexiko - Siesta Ich am oberen Jalicingo Phil fängt die 20-Sekunden Schlange mit der Hand Typisch: Bananenplantagen

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Helga

Über Helga

Das Kajakfahren wurde meinen Geschwistern und mir quasi in die Wiege gelegt, mit unserer Mutter verbrachten wir unsere Urlaube fast immer an irgendwelchen Flüssen mit irgendwelchen Booten. Einer der Topfavoriten war damals der Prijon Hurricane. "Den darf ich heute fahren, du warst gestern schon!" Ob man sich heute noch um einen Hurricane streiten würde? Das glaube ich nicht. Zu sehr hat sich das Material im positiven Sinne geändert und inzwischen sitze ich in einem Pure S oder dem Prijon Forte und bald dem Prijon Curve - wenn ich wieder in Europa bin. Damit kann man ja auch viel einfacher um Steine zirkeln und sein Boot manövrieren als mit einem langen Hurricane. Warum sollte man es sich schwerer machen als nötig? Seit meiner Kindheit lässt mich der Kajakvirus nicht mehr los und genauso wenig der Reisevirus. Inzwischen bin ich mit vielen Freunden und dem Kajak schon ganz schön in der großen weiten Welt herumgekommen: - die Alpen sind das Heimrevier - Neuseeland - Norwegen - Uganda - Kalifornien - B.C. Gerade eben vor einigen Tagen habe ich den längsten Kajaktrip meines Lebens beendet: Insgesamt waren wir 5 Monate lang in - Mexiko - Kolumbien - Chile und - Argentinien unterwegs und inzwischen bin ich in Lima gelandet, wo ich 2 Semester lang studieren werde. Man munkelt, es gäbe ausgezeichnetes Wildwasser in Peru. Das werde ich mir natürlich auch nicht entgehen lassen. Jetzt werde ich den Trip Revue passieren lassen und versuchen in schöne Worte zu fassen, damit auch die Daheimgebliebenen etwas davon haben. Ob sie wollen oder nicht, Berichte und Fotos folgen bald! Muchos saludos amigos, Adiós!

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